Blog 51 Brasilien 2

Sa 16.08.25 Corumbá Km 54.788

Das ist der Rio Paraguay, er kommt aus Mato Grosso und entspringt nur 300 Km nördlich von hier. Erstaunlich groß für die kurze Strecke. Er fließt im Prinzip immer nach Süden. Südlich von Corumbá bildet er die Grenze zwischen Brasilien und Paraguay, dann durchquert er Paraguay, und trifft bei Asunción auf die Grenze zwischen Paraguay und Argentinien. An der Südost Ecke von Paraguay, bei Corrientes, mündet er in den noch viel größeren Rio Paraná. 

Ich bin schon seit Mittwoch hier, wollte überhaupt nicht da bleiben, aber ich brauche eine Simkarte und das ist eine brasilianische, bürokratische Meisterleistung. Es war schon bei meiner ersten Einreise nach Brasilien kompliziert, aber was sie hier veranstalten, das zerreißt die stärksten Nerven. Zuerst fragte ich im nächstbesten Shop danach. Der sagte ich muss zum Loya Vivo (ein Telefon Laden). Dort sagte frau mir, nö, im Zeitungs Kiosk an der Ecke. Die Frau dort fragte nach meiner CPF (irgend eine Nummer), ohne die geht nix. Mehr wollte sie mir nicht erklären. Ich zurück zu Loya Vivo: wo bekomme ich diese fucking CPF? "Im Inspeção Receita Federal Fiscalisação". Und wo ist das? Nachdem sie's mir auf Google Maps gezeigt hatte, ging ich dorthin, natürlich geschlossen. War ja schon nachmittags. Inzwischen hatte ich nebenbei schon 3 Banken abgeklappert, nirgends funktioniert meine Bankkarte (Mastercard). In einer sagte man mir, es funktioniert nur heute nicht, ich soll morgen früh nach 10:00 Uhr wieder kommen. Ich musste mir also ein Hotel suchen und fand eines für 60 Reales, das sind vermutlich knapp über 10,-€. Ich erklärte dem Recepcionista, dass ich noch keinen ATMme gefunden habe, der meinen cartão akzeptiert, und er hatte volles Verständnis und Vertrauen und meinte, "sem problemas" (kein Problem). Weil die CPFe sicher was kostet, ließ ich mir also Zeit, weil ich ja vorher noch zur Bank muss. Meine Mastercard wird hier überhaupt nicht akzeptiert! Im Hotel gab's WiFi, da konnte ich noch ein paar Geldautomaten finden, und einer davon funktionierte. Diese Probleme waren mir noch von meinem ersten Besuch hier bekannt. Zurück bei der Steuer und Finanz Inspektion erklärte frau mir, ich muss vorher ein Dokument für den Antrag auf die CPF bei der Post kaufen, das haben sie nicht hier. Aber die Post hat schon geschlossen, die arbeiten nur von 08:00 bis 10:00. Das geht also erst morgen früh wieder. Dann ging ich spazieren durch die Stadt und entschloss mich,  doch mal bei der Post vorbei zu schauen und siehe da, sie arbeiten bis um 11:00, aber jetzt war es schon nach 11:00. Sie arbeiten jedoch auch am Nachmittag, von 13:00 bis 15:00. Ich stand also um 13:00 Uhr wieder vor der verschlossenen Tür, da waren schon 50 Menschen versammelt und wir warteten noch eine halbe Stunde, bis sie sich endlich bequemten aufzusperren. Beim Eintreten bekommt jeder eine Nummer, drinnen gibt es 8 Schalter, davor 100 Stühle. Die erste Reihe ist für Alte, Gebrechliche und Schwangere reserviert, also auch für mich. Es steht irgendwas von preferido (bevorzugt) drauf, trotzdem wird die Reihe nicht bevorzugt aufgerufen. Sie behaupten auf einem Bildschirm, dass sie sich für die werte Kundschaft bemühen und niemand länger als 30 Minuten warten muss. Ich warte 45 Minuten. Nur 3 Schalter sind besetzt, als ich endlich drankomme, dauert die Prozedur nochmal 15 Minuten. Er fragt mir Löcher in den Bauch, z.B. die Namen von Vater und Mutter. Ich sagte, ich bin 75 Jahre alt, die sind längst gestorben, was soll das? Egal, er muss es da reinschreiben. Köhler kann er natürlich nicht, dann mach aus dem ö eben oe. Dann noch 7 Reales bezahlen und ich habe fertig (so sagen die Latinos das tatsächlich). Zurück bei der Inspektion stellt sich heraus, sie arbeiten selber nur 2 Stunden am Tag. Also noch eine Nacht in Corumbá. Am nächsten Morgen ist Freitag, ich stehe um 08:00 vor der Tür, sie sperren pünktlich auf und es sind nur 5 Leute vor mir. Es dauert nur eine halbe Stunde, dann bekomme ich irgendwelche Dokumente, die Nummer krieg ich aber erst am Dienstag, die macht nämlich ein anderer Server und das dauert eben so lange. Ist ja auch noch ein Wochenende dazwischen. 

Mein Zwischenfazit (das Drama ist ja möglicherweise noch nicht zu Ende): die Bezeichnung "estimado cliente" (geschätzter oder werter Kunde) ist eine glatte Lüge. In Wirklichkeit betrachten sie ihre Kundschaft als lästige Bittsteller und sie demonstrieren ihre Überlegenheit und Vormachtstellung mit einer für mich atemberaubenden Frechheit. Wenn 50 Menschen eine Stunde warten müssen, dann hat man ihnen eine Woche Arbeits- oder Lebenszeit gestohlen und vergeudet. Die Beamten könnten ihre Arbeitszeit auch anders einteilen. Ein paar Schalter mehr besetzen und längere Öffnungszeiten z.B. Die Gesamtarbeit wäre dadurch nicht mehr. Wenn sie denn wöllten. Es macht ihnen offenbar mehr Spaß, den Pöbel zu schikanieren. 

Das musste jetzt mal raus.

So 31.08. Quebra Torto

60 Km vor Campo Grande, der Hauptstadt von Mato Grosso do Sul. Google behauptet, dies wäre ein Campingplatz, sieht aber nicht danach aus. Seit 5 Tagen habe ich eine Begleiterin. Sie heißt Viviane, kommt aus der französisch sprachigen Schweiz und kann kein Deutsch. Wir müssen also englisch kommunizieren. Lola und Leo (das französische Pärchen mit dem Tandem) haben mir schon in Bolivien von ihr erzählt, da war sie noch ein paar Tage hinter mir. Sie geht auch mit einem Anhänger, ähnlich wie mein erster, nicht um die ganze Welt, aber kreuz und quer durch Südamerika. Sie nutzt manchmal Busse oder hitchhiking (trampen), und hat mich so überholt. Lola und Leo gaben mir ihre Telefonnummer und so haben wir uns in Miranda verabredet. Seitdem gehen wir zusammen und harmonieren sehr gut. Sie kann schneller gehen als ich und in den letzten 3 Tagen haben wir 2 mal 40 Km gemacht. Weil dazwischen einfach kein geeigneter Übernachtungsplatz war. Wie bei allen Frauen sind ihre Sicherheitsanforderungen deutlich höher als meine, was die Campingplatz Suche auch erschwert. Warum das so ist, können manche Männer nicht verstehen. Dabei ist es unsere Schuld (ich bin auch ein Mann). Viviane sagt auch, wie die Mehrheit der befragten Frauen, sie würde in einsamer Wildnis lieber einem Bären begegnen als einem Mann. Und sie hat auch mehr Angst vor Männern als vor den Tigres. Schande über uns Männer! 

So 14.09. Vista Alegre Km 55.470

Dieses Gürteltier sitzt verletzt am Straßenrand und kann nicht mehr flüchten. Man sieht Blutflecken am Panzer, ich glaube nicht, dass wir ihm helfen können. Es ist etwa so groß wie eine Katze. Die größte Art wird bis zu einem Meter lang. Es sind auch Geschöpfe aus Gondwana, nach der Vereinigung von Süd- und Nordamerika sind auch ein paar Arten dort eingewandert, beschränken sich aber auf den Süden von Nordamerika.

Wir sind ein paar Tage in Campo Grande geblieben und gehen jetzt nach Paraguay, in süd- südwestliche Richtung und wollen die Grenze in Ponta Porã überqueren, 110 Km von hier. Danach nochmal 450 Km nach Asunción, 2 bis 3 Wochen.