Paraguay

Sa 29.03.25 Remansito Km 52.689

Beim Abschied wollte Willi wissen, wie sich der Carrito anfühlt. So gut lief er noch nie, der neue Motor ist tatsächlich viel stärker, die Federung in der Zugstange so komfortabel wie noch nie. Daran ist das Laufen immer gescheitert. Schon nach 1 Stunde war einer meiner neuen, von mir für unkaputtbar gehaltenen Motorrad Reifen platt. "Se murió" (er ist gestorben), sagte der Mechaniker, der Kleber eines alten Flicken hat versagt und das Problem kenne ich zur Genüge. Ein neuer Flicken hält da nie lange. Mit neuem Schlauch hat die Reparatur 50 mil (6,50 €) gekostet. 

Remansito ist gleich der 1. Ort nach der alten Brücke und da hat mich ein bewaffneter Polizist an einer Tankstelle überzeugt, hier zu bleiben zum Schlafen. Die Gegend ist nämlich muy peligroso (sehr gefährlich) und bei den beiden nächsten Tankstellen gibt's keine Übernachtungs Möglichkeit. Und er schiebt hier die ganze Nacht Wache und vor bewaffneten Polizisten haben die Ladrones (die Diebe) Respekt. Ich stellte mein Zelt auf einen überdachten Parkplatz, falls es regnet. 

31.03. Doña Blanca Km 52.747

Das ist mein neuer Plan, nach La Paz in Bolivien. Wenn keine Umwege dazukommen, sind das 2.200 Km. 

Doña Blanca ist kein Ort sondern eine Farm, eine große. 

Der Chaco ist ein Gebiet, das den gesamten Nordwesten von Paraguay und weite Teile Argentiniens und Boliviens einnimmt. Er soll eine trockene Gegend sein, während sein östlicher Nachbar, das Pantanal in Brasilien regenreich ist. Da, wo ich grad bin ist, zumindest jetzt, alles nass, sumpfig und in üppigem Grün. 

Gestern hat mir der Chaco den ersten Schrecken eingejagt, um mich zu mehr Respekt vor dem Kommenden zu zwingen. Benjamin Aceval war der letzte Ort und ich ging sorglos weiter. Das war vor 35 Km, seither nur ein Geschäft das den Namen nicht verdient. Kein Obst, kein Gemüse, da hätte ich besser vorsorgen müssen. Am späteren Nachmittag fragte ich einen Granjero (Bauer) ob ich bei ihm übernachten kann, aber er lehnte ab. Da machte ich mir immer noch keine Sorgen. Das Problem: die meisten Farmer haben ihre Behausung weit weg von der Straße gebaut, am Tor steht keine Telefonnummer, hätte auch nichts genutzt, dort gab es keinen Empfang. Und die Tore sind ausnahmslos alle verschlossen, und lückenlose Zäune entlang der Straßen. Schlimmer als in Australien. Überhaupt ist vieles similar. Dort, wo der Grund billig ist, machen sie üppige Grünstreifen beiderseits der Straße, 20-30 Meter breit, in Australien wars oft noch mehr. Dort kann man schon mal zur Not sein Zelt aufbauen, aber erst, wenn es finster ist und nicht mehr so viel Verkehr. Aber hier ist das Land unglaublich flach, das Wasser kann nicht gut abfließen und die Wiesen/das Buschland sind leicht sumpfig vom Regen der letzten Tage. Bei stärkerem Regen gibt's vermutlich großräumige Überschwemmungen, deshalb wurde die Straße 2m höher gebaut. Dazu kommt noch die Warnung des Polizisten, so ging ich bis 22:00Uhr, bis ich endlich die Hoffnung aufgegeben habe, noch was besseres zu finden und doch am Straßenrand zeltete. Auf einem Zufahrts Weg zu einem Tor, das schon länger nicht mehr geöffnet wurde, weil der auch einen halben Meter höher lag als die sumpfigen Wiesen. Meinen Carrito konnte ich ins Schilf daneben schieben, damit nichts reflektiert. Und bei Sonnenaufgang war ich wieder weg. Aber das waren unfreiwillig 45 Km und ich glaube nicht, dass ich dafür schon ausreichend trainiert bin. 

Heute hat es sich schon gerächt, ich habe eine große Blase auf der linken Fußsohle, damit geht es sich schlecht. Zum Glück war für den Nachmittag Regen angekündigt, da habe ich früher Feierabend machen können. Ich fand eine Farm, Doña Blanca, schon vormittags. Auch hier kann man den Hof von der Straße kaum sehen, aber das Tor war zu dieser Tageszeit nicht abgeschlossen, ich konnte es öffnen und reingehen. Ich wurde freundlich und neugierig empfangen, bekam ein Zimmer mit Bett, irgendwo im Haus gab es eine Dusche die auch funktionierte, und wurde zum Abendessen eingeladen. Spaghetti mit einer Gulasch ähnlichen Sauce, Gemüse Anteil: 0,nix! In einer Kantine, in der auch 100 Gäste Platz hätten. Heute waren vielleicht 15 Arbeiter da, vielleicht sind es in der Erntezeit mehr. 

03.04. Parador Chaco Sur Km 52.772

Parador heißt Herberge. Ich wollte mit meiner Blase nicht so weit gehen, hab 2 Granjeros gefragt, erfolglos. Ich machte mir Sorgen, dass es zu einer Entzündung kommt und habe beschlossen, 2 Tage hier zu bleiben, um meine Blase auszukurieren. Dies ist die schäbigste Unterkunft meiner gesamten Reise. 

Ich hab zwar ein ganzes Haus für mich, es gibt eine Eingangs Halle in die kam ich aber nur rein, nachdem ich einen Müllberg vor der Tür weggeräumt hatte, und nachdem ich mit meinem Anhänger drin war, die Maueröffnung auf die gleiche Weise wieder verschloss. Es gibt noch eine andere Tür, aber die war zu schmal. Mein Zimmer hat kein Fenster, keine Möbel, nix. Ist vielleicht besser so, wenn da ein Bett gestanden hätte, wäre es wahrscheinlich unbenutzbar gewesen. Mein Zelt ist immer sauber, und Mosquito-dicht. Seit sie die Straße zum Highway ausgebaut haben, sind solche Orte zum Sterben verurteilt. Die meisten Fahrzeuge, die hier vorbei fahren, fahren nach oder kommen von Asunción. Das dauert heutzutage nur noch 1 Stunde, da braucht niemand mehr eine Pause oder eine Übernachtung. Ich bin der einzige Gast, vermutlich seit langem, aber die freundliche dueña (Inhaberin) hält tapfer die Stellung. Und ich hatte keine Wahl. Die  nächste Herberge ist laut Google Maps 12 Km entfernt und so weit wollte ich freiwillig nicht mehr gehen. 

Jetzt bin ich schon 2 Tage hier und werde wohl noch einen 3. anhängen.

Sa 05.04. Estancia La Kikina Km 52.803

Eine Estancia ist auch eine Farm, ein Gehöft, eventuell mit Gäste Unterbringung und la kikina kann der Google Übersetzer nicht, und Deep L auch nicht. Jedenfalls füttern sie hier Rinder Bullen groß. Auf meine Frage ob ich hier übernachten kann, mussten sie erst den jefe (Chef) anrufen und der gab sein Ok. Auch hier bekam ich ein Zimmer ohne Bett, es hat zwar ein Fenster, ohne Scheiben, nur Holzläden, aber die darf man nicht öffnen, wegen der Moskitos. Hier ist das eine Plage, so schlimm habe ich es noch nirgendwo erlebt (das nächste Superlativ im Chaco).

Nun sind es sogar 4 Tage geworden, aber heute sagte mir mein Gefühl, dass die Wunde ausreichend verheilt ist. Und tatsächlich, es waren 31 Km und alles ist gut.

Heute fand ich einen Tante Emma Laden, mit Obst und Gemüse. Zwar ein sehr spärliches Angebot, aber immerhin, zum ersten Mal seit 5 Tagen. Die Paraguayer essen alle, ausnahmslos, überhaupt nichts gesundes. Weder Obst, noch Gemüse, gar nichts. Wenn ich sage, dass ich 74 Jahre habe (so sagen das die Latinos), dann kommen sie aus dem Staunen nicht mehr raus. Noch nie haben sie jemanden gesehen, der in dem Alter noch so fit ist. Und noch nie haben sie gehört oder gelesen, dass die Ernährung einen Einfluss auf die Gesundheit hat und was gesund und was ungesund ist. Mich wundert diese Diskrepanz überhaupt nicht. 

Das nächste Lebensmittel Geschäft erreiche ich übermorgen. 

So 06.04. Parador Rio Negro Km 52.841

Also,diese Paradores haben sich bewährt. Wie schon in der letzten, auch hier mittelalterlicher Standard, das gab's nicht mal in Asien. Und das wissen sie, drum ist die Unterkunft kostenlos. Das Wasser kommt braun aus den Leitungen und man muss ihnen sagen, dass sie die Pumpe einschalten sollen, wenn man es denn benutzen will. Selbst zum Zähne putzen wage ich das nicht. Auch auf der letzten Estancia war das so. Dort war es Regenwasser und für Trinkwasser hatten sie eine extra Zisterne mit 3 Kammern. Dieses Wasser sah klar aus, sie schöpfen es mit einem Plastik Becher heraus, der Deckel steht immer offen, und sie achten nicht darauf, wo sie den Becher abstellen. Der Boden ist also immer mit Schmutz kontaminiert und der schwimmt deutlich sichtbar im Wasser. Ich sehe das sofort, sie gar nicht. Das Essen in den Paradores ist auch sehr preiswert, selbst für paraguayische Verhältnisse. Ein komplettes Mittag- oder Abendessen kostet etwa 3 €

Warum ich mich so abhetze? Die Moskitoplage! Ich möchte ihr so schnell wie möglich entkommen, außerdem gibt's zwischen meinen Übernachtungs Plätzen rein gar nichts, nur Zäune, verschlossene Tore und sumpfige Randstreifen. Vor kurzem hat es hier viel geregnet, dann ist es heiß, und obwohl seit dem 21. März Herbst ist, hat es immer noch bis zu 35⁰. Deshalb die Moskitoplage. Anfangs dachte ich, die beschäftigen mich, da wirds mir sicher nicht langweilig, aber nach 4 Tagen permanentem Moskito Massaker kann ich sagen, nichts ist langweiliger, als jeden Tag und den ganzen Tag Millionen von Moskitos zu massakrieren. Und sie verlangen mir meine ganze Aufmerksamkeit ab, keine  Sekunde Verschnaufpause. Ich hasse Moskitos! 

Mi 09.04. Pirahu Km 52.915

Hier gibt's wieder einen Parador, hier ist es ein teures Hotel, aber daneben ist ein kostenloser Zeltplatz, zum Glück sogar mit großem Dach. Da halten sich die Moskitos zurück, ich hatte Schlimmeres befürchtet. Bin gestern abend angekommen und es waren noch ein paar andere junge Leute da, abends machten sie Grillparty mit viel Bier und ich war als die Attraktion selbstverständlich eingeladen. Obwohl zumindest einer von ihnen ebenfalls einiges zu bieten hatte. Er stammt aus Patagonien (Argentinien) und ist seit 8 Jahren mit dem Motorrad kreuz und quer in Südamerika unterwegs. Er macht nebenbei Schmuck Gegenstände die er erfolgreich verkauft, davon lebt er. 

Das ist er, Mauricio heißt er, beim Abschied heute früh. Er hat locker soviel Gepäck wie ich, aber alles umständlich auf dem Motorrad festgezurrt.

Ich muss von noch einer interessanten Erfahrung berichten: Die Nacht davor war ich in Monte Lindo, das ist ein überwiegend indigenes Dorf. Wieder ein Parador, ich hab ihn nicht gleich gefunden, ein super freundlicher indigener Nachbar führte mich hin. Der Inhaber war aber Europäer, seine Frau, falls es eine gibt, hält er verborgen, jedenfalls bekam ich sie weder am Abend noch in der Früh zu sehen. Ich suchte am nächsten Morgen wieder eine Gomería (eine Reifen flick Werkstatt).Es gab 3 im Dorf, aber die Monteure waren alle irgendwo auf Arbeit und kommen erst abends wieder, also Nebenerwerbs Werkstätten. Die Familien haben mehr Kinder als europäisch stämmige. Die Häuser sind sehr viel einfacher gebaut, eigentlich durchweg Holzhütten, auch viele Hunde bei jeder Hütte, keiner agressiv, keine Hochsicherheits Zäune, und viele rufen mir irgendwas zu und winken. Hört sich für mich an wie chinesisch. Sie verstehen und sprechen aber auch spanisch, wenns sein muss. 

Gleich hinter dem Parador fließt ein Fluss, der Rio Monte Lindo, der Wasserspiegel locker 5 m tiefer. Der freundliche Inhaber führte mich hin, da saßen Leute beim Angeln, sehr idyllisch. Und er erzählte mir, vor 4 Jahren kam das Hochwasser bis vor seine Haustür. Auch in der Estancia La Kikina erzählten sie mir von dem Hochwasser vor 4 Jahren, da stand es 1 m hoch, auch in den Wohnhäusern. 

Dieser Weg führt steil runter zum Fluss
Dieser Weg führt steil runter zum Fluss

Do 10.04. Pirahu

Es kam wie es kommen musste. Die zarte Haut, die sich unter meiner Blase an der Fußsohle gebildet hatte, hat der Belastung nicht standgehalten. Es waren immerhin an 4 aufeinander folgenden Tagen durchschnittlich 36 Km pro Tag, aber ich hatte keine Wahl. Nun hab ich darunter die nächste Generation Blase. Letztes Mal waren 4 Tage Pause also nicht ausreichend, das dauert länger. Ich plane mal eine Woche. 

Der Gomerista sagt, er braucht den Platz nicht, ich kann bleiben so lange ich will. Mauricio war 2 Wochen hier. Er will auch nach Bolivien, konnte aber nicht weiter fahren, weil die Straße weiter nördlich nicht asphaltiert ist und starke Regenfälle sie unpassierbar gemacht haben. Er kann und will sich auch kein Hotel leisten und ich bin gerne in solcher Gesellschaft. 100.000 Guaraní pro Nacht ist für Europäer nicht viel (13,-€), für durchschnittliche Latinos aber schon, das ist der Maßstab für mich. Hab ich auch in Asien so gemacht (Mauricio ist übrigens Argentino). 

So 13.04. Pirahu

Ich habe beschlossen, morgen wieder weiter zu gehen. Das sind dann 6 Tage Pause, 2 mehr als in Chaco Sur (Süd Chaco), und ich denke, ich muss am Montag nur etwa 20 Km gehen, das sollte gehen. 

Meine neuen Hinterräder sind alles andere als unkaputtbar. Einer davon war gleich am nächsten Tag nach der letzten Reparatur schon wieder platt. In Monte Lindo hab ich ja keinen Gomerista angetroffen, bis dahin bin ich schon 10 Km mit einem platten Reifen gegangen und habe dabei gesehen, das ist nicht weiter schlimm. So ging ich Richtung Pirahu weiter und dachte, ich finde unterwegs andere Gomerías, war aber nicht so. Bis Pirahu waren es also 50 Km mit einem Neumático pinchado (platten Reifen), und auch das war kein Problem, weder für den Reifen, noch für den Schlauch. Der Carrito ist für diese Räder nur eine geringe Belastung. Mein Gomerista hier hat ihn wieder geflickt und diesmal war nicht wieder die Naht geplatzt, sondern irgendwas hat ein kleines Loch gestochen. Er hat dann den Reifen untersucht und 10 kurze Drahtstücke herausgezogen, Bruchstücke von den zermalmten Auto- und LKW Reifen. Wenn die mit einem platten Reifen weiter fahren und das tun viele, dann wird der schon auf der Felge zerfetzt, die Trümmer bleiben mitten auf der Straße liegen und werden von nachfolgenden Fahrzeugen weiter zermalmt. In meiner Jugend war ein Stahlgürtel im Reifen ein Werbeargument, schon seit langem  haben sie alle einen, und hergestellt wird der aus einem Gewebe aus dünnen Stahldrähten. Drum liegen da Milliarden von kurzen Bruchstücken auf der Straße, für Fahrrad Reifen fatal, und, wie sich nun herausstellt sind auch alte, abgefahrene Motorradreifen nicht davor gefeit. Sie werden dann auch einfach zu dünn. Ich brauche also neue. Mein Gomerista hat natürlich keine auf Lager, und er zeigte auch kein Interesse, welche zu besorgen. Dazu muss ich wohl eine größere Gomería finden. So einen Motorrad Reifen selber zu demontieren habe ich mir beim ersten Zuschauen sofort abgeschminkt. Die rücken ihm mit schwerem Werkzeug zuleibe und so eine Reparatur kostet hier 1,25 €.

Für Latinos, aber auch für schon länger hier lebende Europäer ist mein Blog eher langweilig. Die meisten meiner Entdeckungen und Erfahrungen sind ihnen bekannt und vertraut und manchen drängt sich eher die Frage auf, warum macht er diesen Blödsinn überhaupt? Und warum tut er sich das an?

Hab ich schon oft gehört. 

Ich verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie sagen. Ich durfte die Erfahrung machen, dass es noch Schöneres und befriedigenderes gibt als ein gemütliches, bequemes, komfortables Leben, und dass körperliche Anstrengungen nicht den Schrecken haben, den ihnen Leute unterstellen, die sie gar nicht kennen. Im Gegenteil, man wird mit Glücksgefühlen belohnt. Aber das ist noch lange nicht alles. Ich habe, soweit ich zurück denken kann, körperliche und sportliche Herausforderungen geliebt. Wie armselig muss ein Leben sein, in dem man nicht neugierig ist auf die Welt, oder deren Entdeckung gar doof findet, und zu faul, noch was dazulernen zu wollen? Und sie werden dafür bestraft mit frühzeitigem körperlichen und geistigen Abbau.

Mo 14.04. Pozo Colorado Km 52.940

Auch hier muss man viele Geschäfte abklappern, bis man das nötigste beisammen hat. Der erste Lebensmittel Laden hatte Äpfel, der zweite Birnen, der dritte Bananen und der vierte sogar etwas Gemüse. Und die dritte Gomería die ich fragte, hatte neue Reifen in meiner Größe. Um die Simkarte aufzuladen, musste ich wieder in mehreren Tankstellen fragen. Das alles kostet ätzend viel Zeit. Ich frage mich, warum tun sie sich das an? Ich meine die Leute, die freiwillig nach Paraguay auswandern. Und dann noch diese schreckliche Moskitoplage. Ähnlich wie die Fliegenplage in weiten Teilen Australiens, nur dass diese Biester hier auch noch stechen und womöglich Krankheiten übertragen.

Ich hab 2 Einheimische gefragt, wie lange diese Plage noch dauern wird, der erste sagte 4 Tage, die zweite meinte 1 Woche. Das war vor etwa 10 Tagen. Ich hasse Moskitos. 



Di 15.04. Rio Verde Km 52.969

Ich bin jetzt schon über 300 Km von Asunción weg, und heute habe ich zum ersten Mal einen trockenen Zeltplatz in der Wildnis gefunden. Er liegt nur 3 cm über der nächsten größeren Pfütze, wenn Regen angesagt wäre, würde ich mich nicht trauen, ist aber nicht. Bis zur nächsten zivilen Übernachtungs Möglichkeit sind es noch 27 Km, ich musste also sowas finden. Die größte Stadt im Chaco heißt Filadelfia und liegt noch 160 Km vor mir. 

Mi 16.04. Rio Verde Km 52.996

Der Rio Verde ist ein Fluss, und das Gebiet hier heißt auch so. Hier leben überwiegend indigenas, also Nachkommen der ursprünglichen Bevölkerung. Mir ist aufgefallen, dass die Mücken Plage seit etwa 10 Km stark nachgelassen hat. Das Wasser allein erklärt das Phänomen nicht, das Land ist hier genauso flach und nass wie überall. Es hat noch eine andere Ursache. Moskitos brauchen, zumindest die Weibchen, zur Ei Produktion Blut, egal von wem. Und die weißen Siedler hier machen fast nichts anderes als Viehzucht. Die Blutsauger finden also reichlich Opfer, die sich kaum wehren können. In den Comunidades indigenas hier sieht das ganz anders aus. Sie haben auch Kühe, Pferde, Schafe und Ziegen, aber nicht in dieser größenwahnsinnigen Masse. Und sie müssen auch pflanzliche Lebensmittel anbauen, das brauchen die Europäer dort nicht, sie leben auch ohne Gemüse erstaunlich gut und lange. Für das biologische Gleichgewicht ist das natürlich viel besser. Das war auch in Australien so, nur haben sie dort, wo sie nur Rinder züchten und sonst nix, eine Fliegenplage erzeugt. 

Ich hab schon mit mehreren indigenen Leuten gesprochen, sie können genauso gut spanisch, und sie wissen, dass die Weißen Angst vor ihnen haben. Fast jeder ermahnt mich: "No te preocupes" und "tranquila", beides heißt: beruhige dich, sei unbesorgt.

Do 17.04. Zona Zalazar Km 53.018

So 20.04. Villa Boqueron Km 53.096

Am Donnerstag früh sprach mich eine ältere indigene Frau an und wollte mir eine lebende Baby Schildkröte verkaufen. Ich erklärte ihr, warum das nicht geht und dass ich ihr kein artgerechtes Leben bieten kann. So wie sie sprach und zuhörte, nehme ich an, dass sie sehr zartfühlend war.

Hier gibt's die auch, schließlich kommt Südamerika auch von Gondwana, Nordamerika nicht. Hier habe ich letzte Nacht geschlafen, leider nicht direkt darunter, aber gleich daneben stand ein anderer Baum, der mich besser von der Straße abschirmte. Auch hier leben überwiegend Indigenas, und sie sprechen mich viel häufiger und freier an, als die europäischen Paraguayer. Und jeder sagt mir, nicht ohne Stolz, dass er/sie Indigena ist. Heute Nachmittag, in Nivacle, erzählte mir einer, dass es hier sehr viele verschiedene Sprachen gibt. Er spricht auch kein Guaraní, versteht es auch nicht, sondern...jetzt hab ichs schon wieder vergessen. Und diese Sprache wird nur in etwa 40 umliegenden Dörfern gesprochen, die anderen haben wieder andere Sprachen. Und sie lernen auch erst in der Schule spanisch. 

Di 22.04. Filadelfia Km 53.131

Ein Kaktusbaum, ist auch so groß wie andere Bäume. 

Ich bin in Filadelfia. Sie haben die ph eingespanischt, weil das kein Latino aussprechen kann. 

Gestern abend hat mich ein Ehepaar eingeladen und ich bleibe 2 Tage bei ihnen, weil  morgen wieder Regen angekündigt ist und bis zum nächsten Ort sind es 80 Km. Und Regen in der Pampa no me gusta (gefällt mir nicht). Was ich bis jetzt gesehen habe, ist Filadelfia die eleganteste Stadt in Paraguay, aber auch die schmutzigste. Nur die Hauptstraße ist asphaltiert, der Rest nicht mal Schotter oder Sand, nein, die nackte Erde (Lehm). Die Luft ist staubgesättigt weil viel Verkehr, sicher nicht gesund, sie einzuatmen. Hab grad mit jemandem darüber gesprochen, der meinte: como Africa (wie...). Die Stadt ist offensichtlich wohlhabend aber sie wollen kein Geld ausgeben um die Situation zu verbessern. Ich bin schon wieder am kritisieren, dabei wollte ich doch die Welt nur sehen wie sie ist. 

Das ist Florio, ein eindrucksvoller junger Deutscher, er kam über die Kanaren nach Brasilien, ist schon ein Jahr unterwegs und auch auf dem Weg nach Bolivien. Natürlich ist er viel schneller dort als ich. 

Das sind meine Gastgeber, Raquel und  Eriwelton. Ohne solche Menschen überall auf der Welt hätte ich vermutlich schon längst aufgegeben. Sie wecken immer wieder meinen Mut und meine Zuversicht, dass ich es schaffe, um den ganzen Planeten zu gehen, und meine  Begeisterung für das Gute und Schöne.

Do 24.04. Toledo Km 53.167

Yami und Cristian sind Kollegen, sie arbeiten und wohnen im Samu'u Fortín Toledo. Sie haben mich von der Straße aufgelesen und mitgenommen. Das ist ein Projekt 10 km links von der carretera (Highway), das sich um die Bewahrung der Erinnerungen an den Chaco Krieg kümmert und um die dort heimischen Wildschweine. 

Aber der Reihe nach: Samu'u ist Guaraní und meint den Baum hinter uns: Ceiba Chodatii (deutsch: Seidenbaum), Yami u. Cristian führten mich zu ihm, weil er der dickste weit und breit ist. Und so ein Kaliber hab ich in Südamerika tatsächlich noch nicht gesehen. Er hat fast 3 m Durchmesser, ist schon sehr alt, innen hohl, aber das sind wohl alle alten Samu'us. Dieser diente im Chaco Krieg den paraguayischen Soldaten als Festung. Seitlich hat er ein Loch, groß genug, dass ein Mann hinein klettern kann. Man sieht ringsum die Einschuss Löcher der Gewehrkugeln der Angreifer, aber die Schale ist hart und dick genug als Festung. Der australische Boab hat den gleichen Stamm, auch je 5 Blätter an einem Stängel aber die waren schmal und spitz (wie Cannabis), während die Blätter des Samu'u oval und rundlich sind. Auch die Früchte sind total unterschiedlich. Und die Boabs wurden höher. Klares Indiz für Gondwana. 

Fortín heißt Fort oder Festung. Der paraguayische und bolivianische Chaco genannt Gran Chaco war vor 100 Jahren noch "unbewohnt" (die Indios zählen wohl nicht) und wurde sowohl von Paraguay als auch von Bolivien beansprucht. Als sich dort Mennoniten ansiedelten wurden sie immer wieder von bolivianischer Seite angegriffen, deshalb errichtete die paraguayische Armee diese Festung. Schließlich führten die Auseinandersetzungen zum Krieg (1932 bis 35), den Paraguay wider Erwarten gewann und sich seitdem den Großteil des Gran Chaco einverleibt hat. Und sie pflegen die Erinnerungen daran und die Heldentaten ihrer Soldaten. Für die Bolivianer war das "la guerra estúpida" der dumme Krieg (für mich auch). Und dieses Fortín Toledo ist jetzt so eine Art Freilicht Museum. Unser alter Samu'u sah also schon vor 100 Jahren genauso aus. 

Die Wildschweine: es gibt 3 verschiedene Arten, die großen sind etwa so groß wie unsere Wildschweine und ebenso gefährlich und angriffslustig. Die mittleren sind halb so groß und die kleinen wieder nur die Hälfte. Sie sind alle Paarhufer, sind also doch mit den nördlichen Wildschweinen verwandt, aber es gibt viele Unterschiede. Die Ohren, der Kopf, der Schwanz, das gesamte Hinterteil, ganz anders. Und sie gehören zu den bedrohten Arten, weil die Granjeros (Bauern) ihren Lebensraum immer weiter einschränken. Tapire gibt's dort auch in freier Wildbahn. 

Dies ist ein kleiner Tierpark nur für diese 3 Pecari Arten. Hier bekommen sie Kürbis zum Frühstück. 

Sa 26.04. Mariscal Estigarribia Km 53.220

Die letzten drei Tage zwischen Filadelfia und hier gab es wieder kein Internet, und das wird wohl die nächsten 200 Km bis Bolivien auch so sein und im bolivianischen Chaco ebenfalls. Macht euch also keine Sorgen, wenn ich mich tagelang nicht melde. 

Hier hats in letzter Zeit noch mehr geregnet, die ganze Landschaft ist überschwemmt, keine Chance,  einen trockenen Zeltplatz zu finden. Auch als ich ankam, regnete es. Ich fand eine Unterkunft für etwa 9,-€ und weil es auch morgen regnen soll, bleibe ich 2 Nächte. Ab Montag haben wir wieder schönes Wetter.

Mi 30.04. Zona Ochoa Km 53.268

Noch ein Superlativ aus Toledo. Im Süden von Bolivien sollen sie noch größer werden. 

Ich bin schon gestern hier angekommen und musste schon am frühen Nachmittag Schluss machen, weil mich ein neues Zipperlein plagt (ja, das Alter). Es bahnt sich eine Sehnenscheiden Entzündung mitten am rechten Schienbein an. Das letzte Mal hatte ich sowas am Ende von Bulgarien und Anfang Türkei, kann mich aber genau an die Symptome erinnern. Damals kam das von stundenlangem bergab gehen, und ich hatte nur eine mangelhafte Bremse und war diese Gangart nicht gewohnt. Diesmal, weil ich die letzten Tage versuchte, meine Gehgeschwindigkeit zu erhöhen und dabei hab ichs wohl übertrieben. Drum machte ich sofort (nach nur 3 Stunden) Schluss, weil hier eine Estancia (Bauernhof) ist. Ich setzte mich vor das Tor und machte mir erst mal einen Kaffee, in der Hoffnung, dass jemand rein oder raus fährt, den ich ansprechen kann. Schon nach ein paar Minuten kam ein empleado (Angestellter / Knecht), Monges heißt er, ich erzählte ihm von mir und meinem Problem und fragte ob ich hier bleiben kann und morgen auch bleiben darf, obwohl ich kaum glaubte, dass das so schnell heilt (beim letzten Mal hat es Wochen gedauert) . Das Ergebnis: diese ungenutzte Halle. Ich hab erst mal den Dreck rausgefegt, so sauber war sie sicher schon lange nicht mehr. Ja und heute habe ich den ganzen Tag nichts mehr gespürt. Dann gehe ich morgen vorsichtig weiter. Und wie ein Wunder, hier steht ein Funkmast in Reichweite. 

Do 01.05. Zona Ochoa

Voller Zuversicht bin ich heute morgen aufgebrochen, hab mich aber nach einem Kilometer zur Umkehr entschlossen. Obwohl ich langsam ging, hat das Schienbein sofort wieder angefangen zu schmerzen. Und bis zum nächsten Ort sind es 75 Km. Das wird nicht gutgehen. Der Kollege von der Granja und auch sein Padron haben mir angeboten, zu bleiben bis das Problem auskuriert ist. Ich wurde wieder freundlich aufgenommen, hier hat jeder Verständnis. 

Mo 05.05. Zona Ochoa

Seit 4 Tagen sage ich, morgen gehe ich weiter. Doch die Sehnenscheiden Entzündung zieht sich länger hin, als ich in meinem chronischen Überoptimismus glauben wollte. Der Heilungsprozess nimmt auf meine Wünsche keine Rücksicht und folgt nur objektiven Kriterien. Gestern spürte ich zum ersten Mal wirklich nichts mehr, drum wollte ich heute früh losgehen, aber es hat bis zu Mittag geregnet und zwar heftig. Und das soll auch nachmittags noch weiter gehen. Ich kann auch im Regen gehen, aber no me gusta (nur ungern). Danach kommen laut pronóstico ein paar schöne Tage. Dazu kommt, bis zum nächsten Ort, La Patria, sind es 75 Km Pampa mit ohne garnix. Dafür sollte ich mir 3 Tage Zeit lassen. Dort biege ich links ab (weiter geradeaus,  auf der Ruta Transchaco werden die Abstände noch größer) , danach kommt wieder 115Km nichts bis zur bolivianischen Grenze und erst 10 Km weiter ist eine einsame Tankstelle. Ob die außer Benzin auch ein paar Lebensmittel haben ist ungewiss. Man kann nicht mal mit Sicherheit davon ausgehen, dass sie in der Realität tatsächlich existiert. Bis zum nächsten Lebensmittel Laden sind es sogar 170 Km von La Patria. Die Gegend gehört immer noch zum Gran Chaco. Das ist schon wie im Norden und Nordwesten von Australien, aber das wusste ich, deswegen schlepp ich ja so einen großen Wagen hinter mir her. Sonst kann man das nicht zu Fuß und alleine machen. 

Dort bin ich schon am Fuße der Anden. Von da geht's hauptsächlich nach Norden, Santa Cruz (750 Km von hier und immer noch auf der Anden Ostseite), und dann nach Nordwesten, über Cochabamba nach La Paz (weitere 920 Km, mindestens) . Das liegt schon westlich des Hauptkammes, die Passstraße führt auf über 4.000 m. Ich werde etwa zum Winteranfang dort sein, ob das dann noch geht? 

Es hat am Nachmittag nicht mehr geregnet, trotzdem steht wieder alles knöcheltief unter Wasser. 

¡Morgen geht's weiter! 

Eine Begründung für mein Mißtrauen gegenüber Google Maps:

Diese Estancia F24 auf dem Screenshot existiert nicht, dort ist nur Wiese und sowas erlebe ich oft. Das Haus, wo ich "wohne" steht schon seit mindestens 8 Jahren leer, so lange ist Monges schon hier und als er kam, war das Haus schon verlassen (abandonado). Vielleicht war das die Estancia? 30 m hinter mir (südöstlich) ist die Ruta Transchaco, 30 m vor mir (nordwestlich) das größere Gebäude ist eine Garage für große Landmaschinen. Dort wohnt auch Monges. Das hier ist keine Farm, hier wird außer Gras- oder Heuballen nichts produziert. Monges ist der Wachmann für die Maschinen. 

Fr 09.05. La Patria Km 53.346 H 240m

Yami zeigte mir auch wilde Kräuter, die man essen kann und diese wilden (silvestre) Chillies. So scharfe Exemplare kannte ich auch noch nicht. Ich liebe sie. 

Ich kam gestern Nachmittag hier an und musste mich mal wieder in ein Hotel einloggen. Erstens weil ich nichts anderes gefunden habe, zweitens weil meine "Sehnenscheidenentzündung" (ich bin mir nicht sicher) doch noch nicht vorbei ist, und drittens weils heute geregnet hat. Hab zwei interessante Weltumradler kennengelernt, Katrin und Benjamin. Sie wohnen im selben Hotel und haben ungefähr den selben Weg wie ich, mit einigen Abkürzungen gemacht, in einem Jahr. Z.B. sind sie von Sri Lanka nach Perth in Australien geflogen, dort bis nach Melbourne oder Sydney? geradelt und dann wieder by Flugzeug nach Buenos Aires. Klar, junge Leute haben nicht so viel Zeit wie ich. 

Morgen gehe ich weiter, bis zur bolivianischen Grenze 115 km wieder nix, muss also Vorräte für 4 Tage mitnehmen. 

Di 13.05. Frontera Km 53.463

Ich bin an der bolivianischen Grenze. Es ist schon Abend, drum übernachte ich erstmal hier und stürze mich dann morgen früh ins Grenz-prozedere. In La Patria hatte ich 30 l Wasser eingepackt und kam hier mit 3 l an. Am 2. Abend nach La Patria lud mich Alfredo, ein indigener Motorrad Fahrer ein, im Haus eines Freundes zu übernachten, es war schon spät und ich wollte mir gerade einen Schlafplatz suchen. Er sagte, sind nur noch 2 Km, doch es waren dann 4, dann rechts durch ein Tor das man öffnen kann und nochmal 1Km. Dort standen 5 Häuser, er hatte nicht gesagt welches und ich musste mich durchfragen, ohne zu wissen, wie mein Gastgeber überhaupt heißt. Inzwischen war es stockfinster und auf schlechten Wegen ist das ziemlich mühsam. Es wäre einfacher und schneller gegangen, wenn ich mir selber was neben der Straße gesucht hätte, aber ich war ja auch neugierig, was mich da erwartet. 

Ogeda heißt er, lebt allein in seinem Haus und, wenig überraschend, ist das ziemlich verwahrlost und herunter gekommen. Dies ist das Wohnzimmer, eigentlich ein schöner Wintergarten, natürlich ohne Glas, aber mit Fliegengitter, das aber leider schon etwas löcherig ist. Außer ein paar Lampen (immerhin schon LED) und Musik funktioniert so gut wie nichts. Die Latinos sind alle Audioholics, immer (Tag und Nacht) müssen sie sich mit lauter Musik oder anderem Lärm umgeben, er auch. Es gibt wie auch bei den Latinos natürlich einen Grill, keine anderen Koch Möglichkeiten, nicht mal einen Wasserkocher. Er bot mir ein Bett in seinem Schlafzimmer an, das eigentlich mehr einer Höhle glich, und so wie dieses Bett aussah, zog ich es vor, mein Zelt im Wohnzimmer aufzubauen. Er behauptete, sein Wasser wäre trinkbar, ich habe aber noch kein trinkbares Leitungswasser im Chaco gesehen. Dieser Standard ist übrigens weltweit unterstes Niveau. Drum prüfte ich erstmal optisch mit einer leeren Wasserflasche: wenig überraschend, es war nicht sauber. Da schwammen so viele Partikel drin, dass ich es nicht mal zum Zähne putzen benutzen wollte. Er wollte einen meiner leeren Wasserkanister damit auffüllen, ich musste ihn fast mit Gewalt daran hindern. Wieso?  Er trinkt das schon immer. Über die Partikel hat er nur gelacht. (Diese Erfahrung habe ich auch mit Monges in meinem casa abandonada gemacht).

Do 15.05. Ibibobo Km 53.516 H 325m

Bin noch 5 Km vor Ibibobo, etwa bei der Hälfte nach Villamontes. In Ibibobo kann man Wasser und Lebensmittel kaufen, da muss ich nicht so viel mitschleppen. 10 Km nach der Grenze zeigt Google Maps eine Tankstelle, wo ich noch mehr Wasser kaufen wollte, zum Glück habe ich mich nicht darauf verlassen. Stattdessen war da ein Militär Posten mit Verkehrskontrolle. Dort sah ich einen schattigen Platz, wo ich eine Pause einlegen wollte. Eine Gruppe Soldaten kam auf mich zu und einer fragte was ich will und ob sie mir helfen können. Nachdem ichs ihm gesagt hatte, führten sie mich ins Wachhäuschen, einer brachte eine Matratze, so haben sie das mit dem Ausruhen also verstanden. Ich wehrte entschieden ab, dann verschwand sie wieder. Es sprach immer nur einer von ihnen, der stellte sich dann als Comandante vor, kaum älter als die Soldaten, und die waren noch keine 20 Jahre alt. Er wollte genau wissen, wo ich herkomme und was ich mache. Darauf meinte er: "estás famoso" (du bist berühmt), dann lud er mich zum Mittagessen ein. Sie haben eine Art Kantine und es war für sie auch grad Mittagszeit. Sie müssen auch selber kochen und es gab Nudeln mit, ich staunte nicht schlecht, Krautsalat und Spiegeleier. Hat wunderbar geschmeckt. Und dort musste ich den anwesenden Soldaten nochmal erzählen, was ich mache und sie hörten interessiert zu. Über ihrer "Kaserne" stand auf der Straßenseite irgendwas mit "Gran Chaco". Das klingt wie eine Kriegserklärung gegen Paraguay. Das kann ich sogar verstehen, obwohl ein neuer Krieg dort nicht weniger estúpida wäre. 

Ups, da ist was falsch gelaufen. Ibibobo liegt schon in Bolivien, 57 Km nach der Grenze.